Buchhaltung & Finanzen

Stundensatz berechnen Schweiz 2026: Rechner & Formel für Selbständige

Stundensatz berechnen als Selbständiger in der Schweiz: Formel, Rechner, Vergleich nach Branche und Tipps zur Preisgestaltung. Nie mehr zu wenig verlangen!

Redaktion9 Min. Lesezeit

Der Stundensatz ist eine der wichtigsten Entscheidungen als Selbständiger. Zu tief und du arbeitest zum Nulltarif. Zu hoch und du verlierst Aufträge. Dieser Guide zeigt dir, wie du deinen Stundensatz korrekt berechnest, was in der Schweiz üblich ist und wie du ihn erfolgreich kommunizierst.

Warum viele Selbständige zu wenig verlangen

Der häufigste Fehler: Selbständige rechnen ihren bisherigen Angestelltenlohn auf einen Stundensatz um – und vergessen dabei die versteckten Kosten.

Was als Angestellter der Arbeitgeber zahlt:

  • Sozialversicherungen (AHV/IV/EO: ~11% Arbeitgeberanteil)
  • Pensionskasse (BVG)
  • Unfallversicherung
  • Krankentaggeld
  • Bezahlte Ferien (4–5 Wochen)
  • Bezahlte Krankheitstage
  • Infrastruktur (Büro, Computer, Telefon)

Als Selbständiger trägst du all das selbst. Ein Angestelltenlohn von CHF 100'000 entspricht als Selbständiger einem Aufwand von CHF 130'000–160'000.

Die Formel für deinen Stundensatz

Stundensatz = Jahresgesamtbedarf ÷ Produktive Stunden pro Jahr

Schritt 1: Jahresgesamtbedarf berechnen

A) Dein Zielnettoeinkommen

Was willst du nach Steuern und Abgaben netto verdienen?

LebenssituationNettobedarf/MonatNettobedarf/Jahr
Single, günstige MieteCHF 4'000–5'000CHF 48'000–60'000
Single, Stadt ZürichCHF 5'500–7'000CHF 66'000–84'000
Familie, ein EinkommenCHF 7'000–9'000CHF 84'000–108'000
Komfortables LebenCHF 8'000–12'000CHF 96'000–144'000

B) Steuern und Sozialabgaben (Bruttoaufschlag)

Um dein Nettoeinkommen zu erreichen, brauchst du mehr Brutto:

Bruttogehalt = Nettoeinkommen ÷ (1 – Abgabensatz)

Abgabensatz (approximativ):
- AHV/IV/EO: ~10%
- Einkommenssteuer (je nach Kanton): 20–35%
- Total: 30–45%

Beispiel Zürich:
Netto CHF 80'000 ÷ 0.65 = Brutto CHF 123'000

C) Betriebskosten

PositionKosten/Jahr
Büro / CoworkingCHF 0–18'000
IT, Software, LizenzenCHF 1'200–3'600
Telefon, InternetCHF 1'200–2'400
Versicherungen (KTG, Berufshaftpflicht)CHF 2'000–5'000
Marketing, WebsiteCHF 1'000–5'000
Buchhaltung / TreuhänderCHF 1'500–4'000
WeiterbildungCHF 1'000–3'000
Diverses / ReserveCHF 2'000–4'000
Total BetriebskostenCHF 10'000–45'000

D) Reserve für Ausfälle und Investitionen

Plane 10–15% Puffer für:

  • Krankheitstage
  • Leerstände ohne Aufträge
  • Unerwartete Ausgaben
  • Investitionen

Schritt 2: Produktive Stunden berechnen

Nicht alle Arbeitsstunden sind fakturierbar. Realistisch sind:

Arbeitstage pro Jahr:
365 Tage
– 104 Wochenendtage
– 8 Feiertage (je nach Kanton)
= 253 Arbeitstage

Abzüge:
– Ferien (4 Wochen): 20 Tage
– Krankheit (durchschnittlich): 5 Tage
= 228 verfügbare Tage

Davon nicht fakturierbar:
– Akquise und Marketing (15%): 34 Tage
– Administration, Buchhaltung (10%): 23 Tage
– Weiterbildung (5%): 11 Tage
= 160 fakturierbare Tage = 1'280 Stunden

Faustregel: Rechne mit 1'000–1'400 fakturierbaren Stunden pro Jahr bei Vollzeit. Einsteiger eher 800–1'000 (Akquise kostet viel Zeit).

Schritt 3: Stundensatz berechnen

Beispielrechnung (IT-Berater, Zürich):

Zielnetto:          CHF 85'000/Jahr
Bruttogehalt nötig: CHF 130'000 (bei ~35% Abgaben)
Betriebskosten:     CHF 20'000
Reserve (10%):      CHF 15'000
──────────────────────────────────
Jahresgesamtbedarf: CHF 165'000

Produktive Stunden: 1'100 Std./Jahr

Stundensatz:        CHF 165'000 ÷ 1'100 = CHF 150/Std.

Interaktive Formel:

Dein Stundensatz =
(Zielnetto + Steuern/Abgaben + Betriebskosten + Reserve)
÷ (Fakturierbare Stunden pro Jahr)

Branchenübliche Stundensätze Schweiz 2026

IT und Software

TätigkeitsbereichStundensatz (CHF)
Softwareentwicklung (Senior)150–220
Softwareentwicklung (Junior)100–140
IT-Projektmanagement130–200
Cloud / DevOps140–210
Data Science / AI150–250
UX/UI Design110–180
IT-Security150–250

Unternehmensberatung und Finanzen

TätigkeitsbereichStundensatz (CHF)
Strategieberatung (senior)200–400
Unternehmensberatung150–250
Finanzberatung140–220
Treuhand120–200
Rechtsberatung200–500
HR-Beratung120–180

Marketing und Kommunikation

TätigkeitsbereichStundensatz (CHF)
Marketing-Strategie120–200
Social Media Management80–140
SEO / Content90–160
Grafik- und Webdesign90–160
Texter / Copywriter100–180
PR / Kommunikation120–180

Handwerk und Bau

TätigkeitsbereichStundensatz (CHF)
Elektriker90–130
Sanitär90–130
Schreiner80–120
Maler70–100
Gärtner60–90
Architekt120–200

Gesundheit und Coaching

TätigkeitsbereichStundensatz (CHF)
Business Coach150–350
Life Coach100–200
Physiotherapeut80–120
Ernährungsberater80–140
Personal Trainer80–160

Stundensatz vs. Tagessatz vs. Projektpreis

Als Selbständiger hast du verschiedene Preismodelle zur Wahl:

Stundensatz

Vorteile:

  • Transparent und fair bei unklarem Scope
  • Kein Risiko bei Mehraufwand
  • Einfach zu kommunizieren

Nachteile:

  • Deckelt das Einkommen (du kannst nicht schneller werden)
  • Manche Kunden sind misstrauisch gegenüber hohen Stundensätzen
  • Administrative Erfassung nötig

Wann sinnvoll: Laufende Mandatsverhältnisse, Support-Contracts, wenn Scope unklar ist.

Tagessatz

Tagessatz = Stundensatz × 8 Stunden (oder 7.5 Std.)

Beispiel: CHF 150/Std. × 8 = CHF 1'200/Tag

Häufig bevorzugt bei:

  • Projekteinsätzen vor Ort
  • Consulting-Mandaten
  • Interim-Management

Projektpreis (Festpreis)

Vorteile:

  • Höheres Einkommen möglich (Effizienzgewinn gehört dir)
  • Kunden schätzen Planbarkeit
  • Kein Zeiterfassungs-Stress

Nachteile:

  • Risiko bei Scope-Creep
  • Vorleistung notwendig (Offerte ausarbeiten)
  • Mehraufwand musst du separat verhandeln

Kalkulation Projektpreis:

Geschätzter Aufwand: 40 Stunden
Stundensatz intern: CHF 150
Basis: CHF 6'000

Risikopuffer (20%): CHF 1'200
Projektpreis: CHF 7'200

Tipp: Fixiere genau, was im Preis enthalten ist (Scope of Work). Halte Änderungswünsche schriftlich fest.

Professionelle Offerte erstellen

Stundensatz erfolgreich kommunizieren

Der häufigste Fehler: Sich entschuldigen

Viele Selbständige nennen ihren Stundensatz mit einer Entschuldigung: "Das ist vielleicht viel, aber..." oder "Normalerweise sind meine Preise höher, aber für Sie..."

Richtig: Nenne deinen Stundensatz selbstbewusst und sachlich. Ein guter Stundensatz ist das Ergebnis deiner Expertise und Erfahrung – nicht etwas, wofür du dich entschuldigen musst.

Wertbasiert argumentieren

Statt: "Mein Stundensatz ist CHF 150."

Besser: "Mein Tagessatz ist CHF 1'200. Für ein Projekt dieser Art plane ich 3 Tage, also CHF 3'600 total. Das beinhaltet..."

Zeige den Wert, nicht die Zeit.

Preiserhöhungen kommunizieren

Erhöhe deinen Stundensatz:

  • Bei bestehenden Kunden: 3 Monate im Voraus ankündigen
  • Erhöhung begründen: Gestiegene Kosten, neue Qualifikationen
  • Empfohlene Erhöhungsrate: 5–10% pro Jahr
  • Neue Kunden: Gleich zum neuen Satz einsteigen

Rabatte vermeiden

Rabatte untergraben deinen Stundensatz und setzen die falsche Erwartung. Alternativen:

  • Kürzere Zahlungsfristen anbieten (statt Rabatt)
  • Zusatzleistung statt Preisnachlass
  • Klar kommunizieren: "Mein Satz ist fest, aber ich schaue, wie wir Scope anpassen können"

Stundensatz und Steuern

Vergiss nicht: Dein Stundensatz muss alle Steuern und Abgaben decken.

Was du berücksichtigen musst:

  • Einkommenssteuer (20–40% je nach Kanton und Einkommen)
  • AHV/IV/EO (ca. 10% vom Nettoeinkommen)
  • MWST (wenn du MWST-pflichtig bist, kommt diese oben drauf)

Praxistipp: Lege monatlich 30–35% deines Umsatzes als Rücklage für Steuern und AHV zurück.

Steuern für Selbständige: Alles Wichtige

Stundensatz in der Praxis: Häufige Situationen

Kein Auftrag – zu teuer?

Wenn Kunden wegen des Preises absagen, musst du nicht sofort senken. Prüfe:

  • Sprichst du die richtigen Kunden an? (Budget-Kunden wollen immer weniger)
  • Ist dein Wert klar kommuniziert?
  • Hast du genug Referenzen?
  • Passt dein Angebot zum Kundenbedarf?

Faustregel: Wenn 100% der angefragten Kunden sofort zusagen, bist du zu günstig.

Bestandskunden mit altem Satz

Erhöhe systematisch:

  1. Schriftlich ankündigen (3 Monate vorher)
  2. Begründen: "Meine Expertise und Betriebskosten sind gestiegen"
  3. Neuen Satz nennen: keine Verhandlungsspielraum lassen
  4. Wenn Kunde wechselt: OK, der neue Satz ist richtig

Grossaufträge mit Mengenrabatt

Bei grossen Auftragsvolumen (z.B. 6+ Monate, 20+ Tage/Monat) kannst du einen reduzierten Satz anbieten – aber nur wenn:

  • Der Umsatz wirklich garantiert ist (Vertrag!)
  • Die Planbarkeit deinen Wert rechtfertigt

Weiterführende Artikel

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sollte mein Stundensatz mindestens sein?

Als grobe Untergrenze gilt: Wenn du als Angestellter CHF 80'000 verdienen würdest, sollte dein Stundensatz mindestens CHF 100–120/Stunde betragen, um alle Kosten und Risiken zu decken. Darunter arbeitest du faktisch günstiger als ein Angestellter – was selten sinnvoll ist.

Gilt MWST auf meinem Stundensatz?

Wenn du MWST-pflichtig bist (ab CHF 100'000 Umsatz), kommt auf deinen Stundensatz 8.1% MWST hinzu. CHF 150 netto werden zu CHF 162.15 brutto. Bei B2B-Kunden ist das neutral (sie ziehen Vorsteuer ab). Bei Privatkunden erhöhst du effektiv den Preis.

Soll ich meinen Stundensatz auf der Website zeigen?

Das ist eine Strategiefrage. Preistransparenz filtert unpassende Kunden heraus und spart Akquise-Zeit. Gleichzeitig kann es Kunden abschrecken, bevor du Wert kommuniziert hast. Viele Freelancer zeigen einen Preisrahmen ("ab CHF 130/Std.") oder bieten eine unverbindliche Erstberatung an.

Wie unterscheidet sich der Stundensatz in der Deutschschweiz vs. Romandie?

Stundensätze sind in der Deutschschweiz und der Romandie vergleichbar. Genf hat teilweise etwas höhere Sätze für internationale Kunden. Das Tessin ist oft etwas tiefer. Wichtiger als Region: Branche, Erfahrung und Positionierung.

Kann ich unterschiedliche Stundensätze für verschiedene Kunden haben?

Grundsätzlich ja, aber sei vorsichtig: Wenn Kunden das herausfinden, schädigt es dein Vertrauen. Besser: Einen festen Grundsatz haben und bei Stammkunden oder Grossvolumen mit Zusatzleistungen oder kleinen Anpassungen arbeiten.

Fazit

Deinen Stundensatz richtig zu berechnen ist entscheidend für den Erfolg als Selbständiger. Die wichtigsten Punkte:

  1. Rechne alles ein: Steuern, Sozialabgaben, Betriebskosten, Ausfallzeiten
  2. Plane realistisch: 1'000–1'200 fakturierbare Stunden bei Vollzeit
  3. Vergleiche mit dem Markt: In der Schweiz sind hohe Sätze üblich – nutze das
  4. Kommuniziere selbstbewusst: Dein Stundensatz ist das Ergebnis deiner Expertise
  5. Erhöhe regelmässig: Mindestens 5% pro Jahr

Ein gut berechneter Stundensatz ist die Basis für ein nachhaltiges, profitables Selbständigen-Business.

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