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Break-Even-Analyse Schweiz 2026: Berechnung & Rechner für Selbständige

Break-Even-Analyse für Selbständige in der Schweiz: Formel, Beispiele, Rechner und wie du deinen Break-Even-Punkt für dein Business berechnest.

Redaktion6 Min. Lesezeit

Wie viel Umsatz brauchst du um nicht draufzuzahlen? Der Break-Even-Punkt gibt dir die Antwort. Diese Kennzahl ist entscheidend für jeden Selbständigen – ob du gerade startest oder dein Business optimieren willst.

Was ist der Break-Even-Punkt?

Der Break-Even-Punkt (auch Gewinnschwelle oder Kostendeckungspunkt) ist der Punkt, bei dem:

Umsatz = Gesamtkosten

→ Kein Gewinn, kein Verlust. Genau Null.

Oberhalb des Break-Even: Gewinn Unterhalb des Break-Even: Verlust


Die Grundformel

Für Umsatz

Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote

Deckungsbeitragsquote = (Umsatz - variable Kosten) ÷ Umsatz × 100%

Für Menge (bei Produkten)

Break-Even-Menge = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Einheit

Deckungsbeitrag pro Einheit = Preis - variable Kosten pro Einheit


Schritt-für-Schritt-Berechnung

Schritt 1: Fixkosten identifizieren

Fixkosten sind Kosten die unabhängig vom Umsatz entstehen:

KostenpositionMonatlichJährlich
AHV-Beiträge (budgetiert)CHF 600CHF 7'200
KrankenversicherungCHF 500CHF 6'000
Büromiete / HomeofficeCHF 400CHF 4'800
Software-AbonnementsCHF 150CHF 1'800
VersicherungenCHF 100CHF 1'200
Internet / TelefonCHF 80CHF 960
Buchhaltung / TreuhänderCHF 200CHF 2'400
WeiterbildungCHF 150CHF 1'800
MarketingCHF 200CHF 2'400
Total FixkostenCHF 2'380CHF 28'560

Dazu: Privater Lebensunterhalt als "implizite Fixkosten"

LebensunterhaltMonatlichJährlich
WohnenCHF 1'800CHF 21'600
Nahrung, KleidungCHF 800CHF 9'600
Krankenkasse privatCHF 500CHF 6'000
TransportCHF 400CHF 4'800
Freizeit, ReserveCHF 500CHF 6'000
Total LebensunterhaltCHF 4'000CHF 48'000

Gesamter Break-Even-Bedarf: CHF 28'560 + CHF 48'000 = CHF 76'560/Jahr

Schritt 2: Variable Kosten pro Umsatzeinheit

Bei Dienstleistern oft sehr gering (0–20% des Umsatzes):

BrancheVariable Kosten
Berater / Coach0–5%
IT-Entwickler5–10%
Architekt5–15%
Handwerker20–40% (Material)
Händler50–70% (Wareneinkauf)
Restaurant30–50%

Schritt 3: Break-Even berechnen

Beispiel: IT-Berater, 10% variable Kosten

Deckungsbeitragsquote = 1 - 0.10 = 90% = 0.90

Break-Even-Umsatz = CHF 76'560 ÷ 0.90 = CHF 85'067/Jahr

→ Du brauchst CHF 85'067 Jahresumsatz um alle Kosten zu decken und deinen Lebensunterhalt zu verdienen.


Praxisbeispiele

Beispiel 1: Freelance-Grafiker

Kosten:

  • Fixkosten Geschäft: CHF 20'000/Jahr
  • Lebensunterhalt: CHF 55'000/Jahr
  • Variable Kosten: 5% (Software, gelegentlich Subunternehmer)
Break-Even-Umsatz = (20'000 + 55'000) ÷ 0.95 = CHF 78'947

Bei CHF 120/Stunde Stundensatz = 660 fakturierbare Stunden/Jahr = 55 Stunden/Monat.

Beispiel 2: Handwerker (Maler)

Kosten:

  • Fixkosten Geschäft: CHF 30'000/Jahr (Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung)
  • Lebensunterhalt: CHF 60'000/Jahr
  • Variable Kosten: 30% (Material, Hilfsstoffe)
Break-Even-Umsatz = (30'000 + 60'000) ÷ 0.70 = CHF 128'571

Bei CHF 80/Stunde = 1'607 fakturierbare Stunden/Jahr = 134 Stunden/Monat.

Beispiel 3: Café / Restaurant

Kosten:

  • Fixkosten (Miete, Personal, Leasing): CHF 200'000/Jahr
  • Wareneinsatz: 35%
Break-Even-Umsatz = CHF 200'000 ÷ 0.65 = CHF 307'692/Jahr = CHF 25'641/Monat

Break-Even in der Praxis nutzen

Pricing-Entscheidungen

Der Break-Even zeigt dir: "Kann ich mit diesem Preis überhaupt profitabel sein?"

Szenario-Analyse:

StundensatzFakturierbare Stunden/WocheJahresumsatzGewinn (nach BEP CHF 85k)
CHF 10020hCHF 95'000+CHF 10'000
CHF 12020hCHF 114'000+CHF 29'000
CHF 15015hCHF 107'000+CHF 22'000
CHF 18015hCHF 129'000+CHF 44'000

Höherer Preis + etwas weniger Stunden = oft mehr Gewinn und weniger Stress

Risikopuffer einplanen

Realistische Auslastung: 60–70% (nicht 100%). Rechne deshalb mit einem Sicherheitspuffer:

Break-Even bei 70% Auslastung:
Wenn du 1'000h fakturierbar bist bei 70% Auslastung = 700h/Jahr
Preis muss deckend sein für alle Kosten bei 700h
→ Preis = CHF 85'000 ÷ 700h = CHF 121/h Minimum

Wie lange bis zum Break-Even?

Beim Start ist der Break-Even-Monat entscheidend:

Monate bis Break-Even = Monatliche Fixkosten ÷ (Monatlicher Umsatz - variable Kosten)

Wenn du im ersten Monat nur 40% deines Zielumsatzes erreichst, brauchst du vielleicht 6–12 Monate bis zur Profitabilität.


Excel-Vorlage: Dein Break-Even berechnen

Tabelle einfach nachbauen:

FeldWert
Jahres-Fixkosten GeschäftDeine Zahl
Jährlicher LebensunterhaltDeine Zahl
Variable Kosten (%)Deine Zahl
Dein Stundensatz (CHF)Deine Zahl
→ Break-Even-Umsatz= (Fixkosten + Lebensunterhalt) ÷ (1 - Var.%)
→ Break-Even-Stunden= Break-Even-Umsatz ÷ Stundensatz
→ Break-Even-Stunden/Monat= Break-Even-Stunden ÷ 12

Break-Even und Steuerplanung

Beachte: Der Break-Even berücksichtigt noch keine Steuern. Rechnest du Steuern ein:

Steuern (ca. 25% auf Gewinn in Zürich):
Wenn Gewinn = CHF 30'000 → Steuern ca. CHF 7'500

Echter Break-Even mit Steuern:
= Break-Even-Umsatz + Steueranteil auf geplanten Gewinn

Einfachregel: Plane 30–40% mehr als deinen reinen Break-Even-Umsatz als Ziel ein (für Steuern, AHV-Nachzahlungen, Reserve).


Weiterführende Artikel

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Muss ich den Break-Even jährlich neu berechnen?

Empfohlen ja – Kosten ändern sich (MWST-Erhöhung, höhere Miete, neue Versicherungen), dein Lebensstandard ändert sich, und deine Preise und Auslastung entwickeln sich. Mindestens einmal pro Jahr aktualisieren.

Was wenn mein Break-Even unrealistisch hoch ist?

Dann musst du entweder: (a) Kosten senken, (b) Preise erhöhen, (c) mehr Stunden verkaufen, oder (d) das Geschäftsmodell überdenken. Der Break-Even zeigt dir objektiv, ob dein Businessplan funktioniert – oder wo der Schuh drückt.

Gilt der Break-Even auch für GmbH?

Ja – aber bei der GmbH kalkulierst du zusätzlich deinen Lohn als Geschäftsführer als Fixkostenelement. Der Gewinn der GmbH wird dann separat besteuert. Das Break-Even-Prinzip ist identisch, aber die Kostenstruktur ändert sich.

Fazit

Der Break-Even-Punkt ist deine wichtigste Kenngrösse als Selbständige(r). Berechne ihn realistisch (inkl. Lebensunterhalt und Reserven), nutze ihn für Preisentscheidungen und überprüfe ihn jährlich. Wer seinen Break-Even kennt, weiss genau wann das Geschäft trägt – und kann entsprechend planen.

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