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Selbständig als Hebamme Schweiz 2026: Zulassung & Praxis

Selbständig als Hebamme in der Schweiz: Berufsausübungsbewilligung, Kassenzulassung, Kosten und Einkommensmöglichkeiten. Vollständiger Leitfaden 2026.

Redaktion··4 Min. Lesezeit

Freiberufliche Hebammen sind in der Schweiz gefragt und spielen eine wichtige Rolle in der Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung ausserhalb der Spitäler. Dieser Guide erklärt alle Schritte zur selbständigen Tätigkeit als Hebamme.

Rechtliche Grundlagen: HebG und kantonale Gesetze

Seit 1. Februar 2022 gilt das Bundesgesetz über die Gesundheitsberufe (GesBG), das auch den Hebammenberuf regelt. Hebammen gehören zu den reglementierten Gesundheitsberufen:

  • Art. 11 GesBG: Berufsausübungsbewilligung für selbständige Tätigkeit
  • KVG Art. 35 ff.: Kassenzulassung und Abrechenbarkeit mit Grundversicherung
  • Kantonale Gesundheitsgesetze: Ergänzende kantonale Vorschriften

Ausbildung: Weg zur Hebamme in der Schweiz

Ausbildung: Bachelor of Science Midwifery an einer Fachhochschule

  • Dauer: 3 Jahre Vollzeit (180 ECTS)
  • Anbieter: BFH (Bern), FHO/OST, HES-SO (Westschweiz), SUPSI (Tessin)
  • Voraussetzung: Maturität oder gleichwertige Vorbildung + Aufnahmeprüfung

Für ausländische Abschlüsse: Anerkennung durch zuständige kantonale Behörde oder (EU/EFTA) durch bilaterale Abkommen (MedBG Art. 14–15a).


Berufsausübungsbewilligung (BAB)

Die kantonale BAB ist für jede selbständige Tätigkeit als Hebamme Pflicht. Anforderungen:

  1. Anerkanntes Diplom (Bachelor Midwifery oder äquivalent)
  2. Berufserfahrung: Mind. 1–2 Jahre klinische Erfahrung empfohlen
  3. Sprachkenntnisse: Amtssprache des Kantons (C1)
  4. Keine einschlägigen Vorstrafen

Zuständig: Kantonale Gesundheitsdirektion (Bearbeitungszeit: 4–12 Wochen)


Kassenzulassung und ZSR-Nummer

Für die Abrechnung mit der Grundversicherung (KVG) brauchst du eine ZSR-Nummer (Zahlstellenregisternummer).

Leistungen, die du als freiberufliche Hebamme ohne Arztverordnung abrechnen kannst (KLV Art. 16):

  • Geburtsvorbereitungskurse (bis 3 Kurse)
  • Wochenbettbetreuung (bis 16 Besuche)
  • Stillberatung (5 Besuche)
  • Säuglingspflege-Beratung

Leistungen mit Arztverordnung:

  • Schwangerschaftsbetreuung / Risikobegleitung
  • Geburtsbegleitung ausserhalb Spital

Leistungs- und Tarifstruktur

KVG-Tarife (Tarifvertrag SHV – Santésuisse)

LeistungTarif
Hausbesuch / BeratungCHF 58–72/h inkl. Wegpauschale
Geburtsbegleitung Haus-/GeburtshausCHF 1'400–2'200 Pauschale
GeburtsvorbereitungskursPro Kurs CHF 150–220
Stillberatung (Hausbesuch)CHF 70–90 pro Besuch

Privattarife (nicht KVG)

  • Spezielle Kurse (Yoga für Schwangere, Babymassage): CHF 20–50/Person
  • Ernährungsberatung: CHF 80–120/h
  • Trauma-Verarbeitung nach Geburt: CHF 90–150/h

Kosten und Infrastruktur

Startkosten

PostenCHF
Medizinische Grundausrüstung5'000–12'000
Notfallausrüstung (Sauerstoff, Reanimation)2'000–5'000
Fahrzeug / KilometerkostenEigenes Fahrzeug nötig
Praxissoftware (Hebammen-spezifisch)CHF 500–2'000/Jahr
BerufshaftpflichtCHF 800–2'000/Jahr
Mitgliedschaft SHVCHF 300–500/Jahr
Total StartkostenCHF 8'000–20'000

Monatliche Fixkosten

PostenCHF/Monat
Fahrzeugkosten300–600
Berufshaftpflicht (anteilig)70–170
Software50–150
Weiterbildung100–300
AHV-Akontos800–2'000
Total1'320–3'220

Arbeitsmodelle für freiberufliche Hebammen

1. Wochenbettbetreuung und Vorsorge

Häufigste Tätigkeit freiberuflicher Hebammen: Hausbesuche nach der Geburt.

  • Vorteil: Planbare Tagesstruktur
  • Nachteil: Niedrigere Einnahmen als Geburtsbegleitung

2. Geburtsbegleitung (Haus- und Geburtshaus)

Intensivere Tätigkeit, hohe Verantwortung, besser bezahlt.

  • Vorteil: Pro Geburt CHF 1'400–2'200
  • Nachteil: Unregelmässige Arbeitszeiten (Nacht, Wochenende)

3. Kurse und Elternbildung

Geburtsvorbereitungskurse, Babymassage-Kurse, Stillgruppen.

  • Vorteil: Planbar, Gruppeneffekt
  • Nachteil: KVG-Tarife begrenzt, privat besser bezahlt

Netzwerk und Kooperationen

Wichtigste Partnerschaften:

  • Gynäkologen und Frauenärzte: Überweisungen und gemeinsame Betreuung
  • Geburtshäuser: Kooperation oder feste Anstellung auf Mandatsbasis
  • Spitäler: Notfallkooperation bei Hausgeburten

Schweizerischer Hebammenverband (SHV): Mitgliedschaft empfohlen für Tarifverhandlungen, Weiterbildung, Berufsunterstützung.


AHV, Steuern und Versicherungen

Als selbständige Hebamme:

  • AHV/IV/EO: 10.6% auf Nettoeinkommen (Umsatz minus Betriebsausgaben)
  • Berufshaftpflicht: Pflicht, empfohlene Deckung CHF 3–5 Mio.
  • Krankentaggeld: Besonders wichtig – bei Krankheit kein Einkommen
  • Unfallversicherung: UVG freiwillig, aber bei Hausbesuchen/Geburtsbegleitung empfohlen

Fazit: Freiberufliche Hebamme – erfüllend und existenzsichernd

Die selbständige Hebammen-Tätigkeit in der Schweiz ist anspruchsvoll, gesellschaftlich bedeutsam und gut vergütet. Die Kassenzulassung ist klar geregelt und weniger restriktiv als bei Ärzten. Wer nach dem Diplom einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hat und dann selbständig wird, ist gut aufgestellt.

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